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- Passion auf Papier (2006)

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Turmmuseum Oetz
Sammlung Hans Jäger
Schulweg 2
6433 Oetz
Tel: +43.5252.20063
info@turmmuseum.at


20.Mai 2005:
Das Turmmuseum Oetz erhält gemeinsam mit dem Archäologischen Museum Fließ den Tiroler Museumspreis 2004

Ausgezeichnet mit dem
ICOM-Museumsgütesiegel



 

Passion auf Papier

Eröffnung: Samstag 11. 02. 06 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: Sonntag 12. 02. 06 bis Ostermontag 17. 04. 06

Die Vervielfältigung von Bildmaterial, ihre Wiedergabe mit technischen Mitteln, die Erfindung des Holzschnitts, brachte einen wesentlichen Fortschritt und steht am Anfang einer beinahe unübersehbaren Entwicklung. Dem Holzschnitt ist bis heute das urtümliche Aussehen erhalten geblieben, seine Herstellung wird immer wieder von Künstlern aufgegriffen und trifft nach der mehr oder weniger günstigen Konstellation des Zeitgeistes an die Öffentlichkeit. In dieser Ausstellung kommen ausschließlich Blätter der Holzschneidekunst in Verwendung. Weiterentwicklungen mit anderen Materialien bleiben ausgeklammert, um eine gewisse Einheitlichkeit beizubehalten. Nach langer Zeit, in der neue Reproduktionstechniken zum Einsatz kamen, treffen wir erst wieder bei den Anfängen der Moderne auf den Holzschnitt. Abgesehen vom wiederentdeckten besonderen Reiz, hat die plötzliche Beliebtheit der alten Vorgabe, sicher mit Rückbesinnung und Reduzierung auf das Wesentliche zu tun.
Unsere Bilderreihe ist in drei Gruppen eingeteilt. Zuerst in eine geschichtliche Folge, die mit den Holzschnitten schon um das Jahr 1475 beginnt, von Blättern der Renaissance beherrscht wird und mit der Barockzeit endet. Den Mittelteil bestreitet die Serie welche dem deutschen Expressionismus angehört und damit die Kunst der Gegenwart schon einläutet. Farbige Holzschnitte von Irmgard Parth, die für diese Zusammenstellung angeregt wurden, sind im letzten Halbjahr entstanden, sie sprechen die Sprache unserer Zeit und stellen den Bezug der Geschehnisse der Passionsgeschichte aufs Neue vor Augen.
Für den Anfang der Passion auf Papier, stehen zwei Holzschnitte die zum Besten gehören, was man im 15. Jahrhundert in dieser Technik erreichen konnte. In Ulm als Buchillustrationen von Johann Zainer gedruckt, zeigen sie in lebendiger Schwarz-Weiß-Wirkung und starkem Gefühl das Leiden Jesu. Das Agieren der Soldaten, zeitgenössisch gekleidet, lässt auf viel Wirklichkeitsbeobachtung und Sinn für das Wesentliche schließen. Die großformatigen Einblattdrucke der Renaissance und des frühen Barock entsprechen einem anderen Darstellungsstil. Sie werden in ihrer erzählfreudigen Vielfalt, dramatischen Inszenierungen, prunkenden Farbigkeit, populären Ansprüchen gerecht und sind für diesen Zweck als Truhen- und Kastenbilder unter die Leute gebracht worden. Haben Augsburg, München und Bassano als Herstellungs-Ort, man kann sie aber schlecht datieren, weil noch zuwenig davon aufgearbeitet ist.
Mit den Blättern der Passions-Mappe von Eberhard Viegener wird ein eigenes Segment in die Ausstellung eingebracht. Der in Westfalen geborene Künstler hat sich in einem langen Leben (1890-1967) viel mit dem Holzschnitt abgegeben und großartige Ergebnisse erreicht. Sein Passions-Zyklus berührt durch die Mittel des exzellent ausgeführten Handwerks und der Leidensfähigkeit mit dem Schicksal der Person Jesus. Die Kunst des Expressionismus hat von der Basis her beim Ursprünglichen, Primitiven angeknüpft und ein neues Sehen der Dinge gefordert. Eberhard Viegener ist ein gutes Beispiel für diese Geisteshaltung.
Als Bestandteil der Gegenwartskunst bringt Irmgard Parth aus Sautens die neue Passions-Folge ein. Damit kehren wir in unsere Lokalität zurück, mit ihren traditionellen Bezügen und stehen aufgeschlossen gegenüber allen positiven Einflüssen von Außen. Das Werk der Künstlerin, welche den größten Teil des Jahres in London lebt, aber regelmäßig die Sommerferien und Weihnachtsfeiertage am Geburtsort verbringt, widerspiegelt ausführlich die Einflüsse beider Teile ihres Lebensraumes. Man weiß über die unerklärlich, anhaltende Verbindung des Menschen mit den Bedingungen seiner Herkunft, den örtlichen Voraussetzungen. Der Charakter des Bildmaterials lässt sich in diese Richtung einordnen und bleibt trotzdem der Gegenwart verbunden. In sehr einfach gehaltenen Episoden, läuft das schaurige Geschehen ab, soviel wie möglich wurde an Details weggelassen, umso ausdrucksstärker kann das Motiv an den Betrachter herantreten. Der geschichtliche Ablauf zieht ungewöhnliche Lösungen nach sich, entstanden mit Einbringung eigener Erfahrungswerte und des Einfühlungsvermögens. Überhaupt die besondere Qualität dieser Darstellungen scheint mir ihre Direktheit zu sein! Was sich da auf den Bildern abspielt, kann im übertragenen Sinn, jeden Augenblick geschehen, gestern, heute und morgen!
Der Museumsverein hofft mit dieser Ausstellung ein ansprechbares Publikum zu finden und wünscht anregende Stunden.